Unterkühlt im Sommer – Meine erste Begegnung mit Hypothermie

Unterkühlt im Sommer – Meine erste Begegnung mit Hypothermie

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Zwei Wanderer die den Ben Nevis in Schottland an einem trüben Tag hinauf wandern

An einem Augusttag im Jahr 2015 wollte ich zum ersten Mal den Ben Nevis in Schottland erklimmen. Meinen Betrag dazu findest du hier.

In Fort William wurde ich an diesem Morgen bei 12°C und Dauerregen geweckt. Kein schönes Wetter für eine Wanderung, aber prinzipiell auch kein Drama. Meine Wetter App zeigte für den Ben Nevis 2°C, gefühlte -4°C an.

Ben Nevis Wettervorhersage auf dem iPhone

Ich überlegte, wie ich diesen Temperaturunterschied von gefühlten 16° C mit meiner Kleidung kompensieren sollte. Von den wirklichen Bedingungen dieser Wanderung hatte ich keine Vorstellung.

Mangelnde Vorbereitung für schlechtes Wetter

Also wählte ich leichte Wanderschuhe, eine dünne Wanderhose, ein langärmeliges Wanderhirt, eine Regenjacke und ein Cap. So ausgerüstet, dachte ich ausreichend vor dem Regen geschützt zu sein.

Im Rucksack hatte ich außerdem noch einen langärmligen Sweater und eine Softshelljacke. Die wollte ich je nach Kälte auf meinem Weg, spätestens jedoch auf dem Gipfel, anziehen.

Dazu packte ich noch 2 Flaschen Wasser, eine Tüte Nüsse und einen Regenüberzug für den Rucksack ein. So gerüstet startete ich meine Wanderung zum Gipfel des Ben Nevis.

Mein nasser und kalter Aufstieg

Nach etwa der Hälfte des Aufstiegs waren meine Schuhe und meine Hose bis in den Schritt völlig durchnässt. Das Wasser lief mir zwischen Rucksack und Regenjacke in kleinen Bächen herunter.

Mich fröstelte es. Die Gedanken „trinken und warme Jacke anziehen!“ flackerten jedoch nur kurz auf. Ich vertröstete mich auf später. „Das kann ich alles gleich auf dem Gipfel erledigen“, dachte ich und ging weiter.

Völlige Erschöpfung auf dem Gipfel

Eine Stunde später kam ich völlig erschöpft auf dem Gipfel an. Dort war es eisig, windig und nass. Durch den dichten Nebel konnte ich nur wenige Meter sehen. Nun war es an der Zeit, Pause zu machen.

Ich zitterte vor Kälte. Meine Hände, meine Arme und mein Oberkörper waren steif und unbeweglich. Ich verlor fast die Orientierung. Mein Körper war außer Kontrolle.

Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr in der Lage, meinen Rucksack abzunehmen, um mich wärmer anzuziehen. Selbst an die im Außenfach befindlichen Wasserflaschen kam ich nicht mehr heran. Ich hatte nur noch einen Gedanken: „Schnell runter von diesem Berg!“ Ich versuchte mich an den grauen Umrissen der anderen Wanderer zu orientieren und fand so den Abstieg.

Viel Nebel und Wolken auf dem Ben Nevis in Schottland

Der fast vergessene Abstieg

Wieder im Tal angekommen, konnte ich mich nur noch bruchstückhaft an den Aufstieg und an meine Erlebnisse erinnern. Besonders an den Abstieg fehlt mir fast jegliche Erinnerung.

Bei der Sichtung meines Videomaterials von dieser Wanderung stellte ich fest, dass meine Erinnerungen noch viel blasser und lückenhafter sind, als ich dachte. (Den fertigen Clip kannst du dir hier anschauen.)

Heute stieß ich beim Stöbern in einer Zeitschrift ganz zufällig auf einen Artikel über Hypothermie und deren erste Anzeichen. Was ich dort las, hat mich ziemlich erschreckt.

Hypothermie beim Wandern

Hypothermie ist eine ernsthafte Erkrankung, die immer dann auftreten kann, wenn die Körpertemperatur auf 35°C oder weniger fällt. Der Körper ist nicht mehr in der Lage aus eigener Kraft die normale Körpertemperatur von 37°C zu erreichen.

Erste Anzeichen können sein: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Verlust der Urteilsfähigkeit und Apathie.

Hypothermie kann auf unterschiedliche Weise entstehen, am häufigsten jedoch, wenn der Körper für einen längeren Zeitraum großer Kälte ausgesetzt wird. Nässe und große Anstrengungen befördern die Gefahr.

Erschöpfung und extremes Wetter führen dazu, dass der Körper nicht genug Energie erzeugen kann, um sich warm zu halten. Hypothermie kann zu jeder Zeit des Jahres auftreten und stellt eine oft übersehende Gefahr dar. Sie kommt schnell und bleibt oft von dem betroffenen Wanderer unbemerkt.

Es wird geschätzt, dass bei 1/4 aller Bergrettungen die Wanderer an Unterkühlung gelitten haben.

Was solltest du tun, wenn du erste Symptome bei dir oder bei einer anderen Person bemerkst?

Bringe dich oder die Person so schnell wie möglich ins Warme, nach drinnen oder in eine Schutzhütte. Wechsle umgehend nasse und dünne Kleidung. Iss energiereiche Sacks und trinke heiße Getränke. Schokolade kann hier sehr hilfreich sein. Hole Hilfe und lass dir helfen.

Wie kannst du dich besser vorbereiten, um einer Hypothermie vorzubeugen?

Trage eine gute wasserfeste Hose und Jacke und warme Kleidung darunter. Handschuhe, ein Schal und eine warme Mütze gehören in den Rucksack. Nimm Wechselwäsche mit, für den Fall, dass du nass wirst. Packe Energieriegel (oder auch Schokolade) und eine Thermoskanne mit heißem Tee ein.

Beobachte den Wetterbericht und ziehe die richtigen Schlussfolgerungen.

Für mich gilt ab jetzt: Unabhängig von der Jahreszeit werde ich aufmerksamer sein und immer für geeignete Bekleidung und einen warmen Tee sorgen.

Bei meinen nächsten Aufstieg werde ich mich jedenfalls nicht mehr auf diese Art und Weise in Gefahr bringen. Außerdem will ich das volle Erlebnis genießen können!

Gabor im Nebel und Regen auf dem Gipfel des Ben Nevis in Schottland

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